Creators: Ein Musical-Wettbewerb im Schmidts-Theater auf der Reeperbahn

EintrittskartenGestern fand die zweite Runde des Musical-Wettbewerbs Creators im Schmidts-Theater auf der Reeperbahn statt. Ich bin allgemein kein Freund von der Kombination aus Story und Musik – egal ob Oper, Musikfilm oder eben Musical. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Von der ersten Runde Anfang März hatte ich nur gehört und gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass zu einem der beiden Gewinner Robin Kulisch gehört, der schon 2011 und 2012 unter anderem als Musikalischer Leiter eines Stücks unter der Regie von Corny Littmann war, einem Geschäftsführer der Betreiber-GmbH des Schmidts-Theaters. Er sitzt auch in der Jury des Wettbewerbs Creators.

Wo wir hier schon bei Verflechtungen sind: Ich bin mit einigen Teilnehmern des Wettbewerbs befreundet, weshalb hier keine Kritik der Beiträge und auch keine Neutralität folgt. Ich kenne Thomas Finn aus der ersten Runde. Die Mitglieder der Pressgëng aus der zweiten Runde kenne ich und unterstütze sie beizeiten. Sie verantworten den Beitrag „Die Vier von der Pier“ und haben mir und meiner Begleitung eine Freikarte zur zweiten Runde von Creators verschafft. Für mich ein Grund, diese Veranstaltung zu besuchen. An dieser Stelle dafür: Vielen Dank!

Zurück zur Jury. Diese wir auf der Seite des Wettbewerbs genauer vorgestellt. Mir fallen dabei einige Aspekte besonders auf:

  • Mirko Bott schrieb die Komödie „Oh Alpenglühn!”, für die der Gewinner der ersten Runde, Robin Kulisch, der Musikalische Leiter war.
  • Borris Brandt übernahm 2011 die Geschäftsführung von AIDA Entertainment (Tochterunternehmen der AIDA Cruises). Robin Kulisch war laut seiner Vita vielfach für AIDA Entertainment tätig.
  • Martin Lingnau ist ist seit 1994 „dem Schmidts TIVOLI als Hauskomponist eng verbunden“ (Zitat aus der Vorstellung der Fachjury). Zusammen mit dem weiteren Jury-Mitglied Heiko Wohlgemuth ist er für diverse Produktionen des Schmidts Tivoli oder Schmidts-Theaters verantwortlich.
  • Jane Comerford, Michaela Flint, Gayle Tufts, Helmut Baumann und Johannes Mock-O’Hara gehören alle mehr oder weniger seit vielen Jahren zum etablierten Musical- oder Musik-Business.

Fünf Jury-Mitglieder gehören also nach meinem Verständnis dem Musical-Establishment an. Drei Jury-Mitglieder haben schon direkt mit einem Gewinner der ersten Runde zusammen gearbeitet. Zwei weitere arbeiten zumindest regelmäßig für die Schmidts-Theater. Florian Vogel als Dramaturg und Künstlerischer Leiter an verschiedenen Theatern sowie Joachim Benclowitz als Rechtsanwalt ragen ein bisschen aus dieser Haus- und Musical-Establishment-Jury heraus.

In der zweiten Runde haben die Teilnehmer William Danne („TROJA – Erzähl mir nix vom Pferd!“) und Jörg Hilger („Immer der Nase nach“) schon früher für die Schmidts-Theater gearbeitet. Dirk Mehnert („Compilation“) hat laut seiner Xing-Seite schon für Stage Entertainment gearbeitet, allerdings nur im Merchandising. Leider musste ich vor Ende der Veranstaltung schon los, so dass ich zwar alle fünf Beiträge erlebt habe, aber nicht mehr den oder die Gewinner mitbekommen habe. Befangen, wie ich bin, sehe ich die „Die Vier von der Pier“ als würdiger Gewinner. Aber auch „Dogs“ und mit Einschränkungen „TROJA – Erzähl mir nix vom Pferd!“ könnte ich mir als Gewinner vorstellen.

Ich kann also weiterhin gespannt sein, ob es hilft, dass man schon vorher mit Jury-Mitgliedern in Verbindung stand. Dabei will ich der Jury gar nicht unterstellen, dass solche Entscheidungen vom hamburgischen „Man kennt sich“ abhängig gemacht werden. Aber solche Verflechtungen stechen ins Auge und geben einer solchen Veranstaltung einen schlechten Beigeschmack.

Buehne

Szene aus „Die Vier von der Pier“ im Rahmen des Musical-Wettbewerbs Creators

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Über gordians

Wintermud ist eine Verballhornung aus meinem Stadtteil Winterhude und "Wintermute" von Neuromancer. Ein tiefer Sinn liegt nicht darin.
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2 Antworten zu Creators: Ein Musical-Wettbewerb im Schmidts-Theater auf der Reeperbahn

  1. Martin schreibt:

    Hallo Gordian,
    schade das wir uns gestern nicht gesehen haben, wir waren ebenfalls da.
    Gewonnen hat gestern nur ein Beitrag : „Immer der Nase nach“.
    Ich habe soeben einen Brief an die Wettbewerbsinitiatoren geschrieben, denn auch ich kann die Verbindungen zwischen einzelnen Mitgliedern der Ensembles und der Jury nur allzu deutlich unterstreichen. War der Komponist des gestrigen Gewinnerstücks doch musikalischer Leiter am Theater des Westens für die Stage Entertainment Group. Auch einzelne Ensemble-Mitglieder gehören zu den Absolventen der Stage zugehörigen „Joop van den Ende-Academy“ Es geht mir dabei auch weniger um die Kritik an den Beiträgen selbst, als an der Verbindung zwischen Jury und Gewinnern… Ich könnte noch weiter ausholen… mag aber nicht den Rahmen sprengen 🙂

    • gordians schreibt:

      Danke für die guten Ergänzungen.
      Ein bisschen mag das auch damit zusammenhängen, dass die Musical-Szene (zumindest die bekannte und kommerziell halbwegs erfolgreiche) in Deutschland eher einer Monokultur gleicht. Und gerade deshalb hatte ich mir ja von dem Wettbewerb was versprochen.
      Dass nun dieses Mal ausschließlich die „Schmidt-Vertrauten“ gewinnen, macht mich sprachlos. Dieses “Immer der Nase nach” behauptete (in der Story), mal was Neues zu versuchen, und dann war es nur ein umgedrehter Cinderella-Cyrano-Versatz; zudem unangenehm schrill. Jede andere Wahl hätte ich nachvollziehen können…

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