Die Karte meiner Träume in der Sneak

Ich war am Montag wohl vorerst das letzte Mal in der Sneak Preview. Ab jetzt mach ich erst mal Pause. Auch wenn ich etwas knapp dran bin (der Film ist heute, nein gestern schon angelaufen), will ich dazu noch schreiben.

Es lief ein Film, mit dem wenige gerechnet haben: „Die Karte meiner Träume„, genauer die Originalversion „The Young and Prodigious T.S. Spivet“. Regisseur und Drehbuchautor ist Jean-Pierre Jeunet, bekannt für „Delicatessen“ und „Die fabelhafte Welt der Amélie“.

Als Produzent ist John Malkovich dabei. Helena Bonham Carter spielt mit. Und das Ganze ist kein US-Film, sondern eine französisch-kanadische Filmproduktion. Das klingt alles schon ganz gut.

Wie immer Achtung: Ich könnte hier nicht viel schreiben, wenn ich hier keine Spoiler bringe.

Der Trailer von „Die Karte meiner Träume“ stellt die verträumte, seltsame Seite des Films in den Vordergrund. Dafür kenne und schätze ich Jeunet. Die Charaktere, die Kamera und der Schnitt zeigen , hier sind Profis am Werk und all das macht den Film schon gut. Die Spielereien – Popup-Buch-Szenen als Kapitelüberschriften, Zeichnungen in die Szenen eingeblendet – machen den Film zu etwas besonderem.

Die Geschichte ist ein einigermaßen klassisches und recht harmloses Roadmovie. Sie ist rührend erzählt, obwohl der Inhalt so viele Verschrobenheiten aufbietet. Die Familie ist traumatisiert: Der zehnjährige Protagonist hatte bis vor kurzem einen Zwillingsbruder. Dieser beging jedoch Selbstmord bzw. einen Unfall mit einem Gewehr. Nun redet die Familie über alles, doch aneinander vorbei – und nur nicht über diesen Tod.

T.S. ist ein junges Genie, erfindet das Perpetuum Mobile und soll vom Smithonian Institute in Washington einen Preis bekommen. Zwei Probleme: T.S. lebt in Montana. Und die Preisverleiher des Smithonian Institutes gehen davon aus, dass er ein Erwachsener ist. Auf seine Eltern verlässt sich T.S. nicht, sondern macht sich selbst auf den Weg.

Die anfängliche Skurrilität schwindet und die anfängliche Rührseligkeit wird zum Kitsch. Die Wissenschaft wird persifliert und die Familie findet sich wieder und wird beschworen.

Der ganze Film macht eigentlich Spaß, aber der letzte Teil hinterlässt einen faden bis süßlichen Nachgeschmack. Und keiner stellt die Frage, wieso ein neunjähriger Junge sich mit einem Gewehr das Leben nehmen konnte…

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Über gordians

Wintermud ist eine Verballhornung aus meinem Stadtteil Winterhude und "Wintermute" von Neuromancer. Ein tiefer Sinn liegt nicht darin.
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