Saving Mr. Banks in der Sneak

Saving Mr. Banks ist mal wieder ein Film über die Entstehung eines Films. Das hatten wir zuletzt vor einem Jahr mit Hitchcock. Letzterer nahm sich einer sehr vielschichtigen, kritisierten und verehrten Person an – und blieb trotz geeigneter Besetzung mit Anthony Hopkins zu brav. „Saving Mr. Banks“ ist unter anderem ein Film über Walt Disney. Gleichzeitig ist der Film eine Walt-Disney-Produktion. Kritische Töne habe ich also  nicht erwartet.

Wie immer Achtung: Ich könnte hier nicht viel schreiben, wenn ich hier keine Spoiler bringe.

Emma Thompson spielt P. L. Travers, die Autorin der Mary Poppins-Romane. Sie spielt sie wunderbar britisch-zickig und sehr hart gegen alle Versuche Walt Disneys, sie für sich zu gewinnen. Im Laufe des Films wird sie zunehmend überzeugend zugänglicher.

Tom Hanks spielt zunächst einmal – Tom Hanks. Was soll man schon erwarten, wenn die Figur Walt Disney in einem Film der Walt Disney Productions mitspielt. Dass Disney knallharter Republikaner war, Reagan förderte und Mitarbeiter auf McCarthys Schwarze Liste brachte, ist sicher nicht das Thema des Films. Ein bisschen mehr Tiefe hätte ich mir in diesem Charakter schon gewünscht. Der gute alte Kino-Onkel Hanks spielt ja nicht mal schlecht und durchaus mit ironischer Ebene. Von Thompson wird er aber überflügelt. Das ist vielleicht auch so gewollt.

Die Handlung ist vorhersehbar, weil einigermaßen historisch und daher nicht wirklich ein Spoiler: P. L. Travers will auf keinen Fall, dass ihre Bücher von Disney verfilmt werden. Schon diese amerikanische Art ist ihr zuwider. Leider ist sie knapp bei Kasse. Der Film handelt also von der zähen Überredung Disneys, doch dieses Buch zu verfilmen. Und das ist schon klasse gespielt. Was den Film auch ausmacht, ist das wunderbare Sechziger-Jahre-Setting mit vielen Details in Ausstattung und Kleidung.

Saving Mr. Banks ist ein etwas rührseliger aber doch sehr herzlicher Film mit einer tollen Emma Thompson. Dass das Ganze in einer traurig-schmalzigen Rahmenhandlung verpackt ist, die Disney zum Befreier von Kindheitstraumata stilisiert – geschenkt. Dass die Wahrheit (nämlich dass Travers den Film gar nicht leiden konnte) verschwiegen wird – logisch. Dass man diesen Film unbedingt auf großer Leinwand sehen muss, ist aber auch nicht gesetzt.

Sagen wir es mal so: Der Trailer verrät eigentlich die gesamte Geschichte. Aufgrund der unmöglichen Übersetzungen der Lieder sollte man den Film lieber im Original sehen.

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Über gordians

Wintermud ist eine Verballhornung aus meinem Stadtteil Winterhude und "Wintermute" von Neuromancer. Ein tiefer Sinn liegt nicht darin.
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