Ihr seid nicht die Urheber! Ihr seid nicht die Bürger!

Wenn ich mir die Auseinandersetzung ums Urheberrecht anschaue, dann sind da zunächst die Grenzen scheinbar klar abgesteckt: Urheber, Bearbeiter, Verwerter und ein Teil der Nutzer auf der einen Seite; und ein anderer Teil der Nutzer, die Piraten, die Netz-Community, die Remixer und Mashuper und die Tauschbörsen-Nutzer auf der anderen Seite.

Und dann höre ich von Urhebern ganz verschiedene Meinungen. Die Piraten wehren sich gegen Aussagen, sie wollten das Urheberrecht abschaffen. Remixer und Mashuper sehen sich selbst als Künstler. Und ich habe schon von Künstlern gehört, die auch schon gegen das Urheberrecht verstoßen haben (möglicherweise mit einer Tauschbörse)… also irgendwie funktioniert das Schubladendenken nicht, zumindest nicht so.

Bei allen Werken gibt es immer zwei Parteien: Die Schaffenden und die Nutzenden. Dass jeder Schaffende auch ein Nutzer ist, ist offenbar. Sehr weit gefasst gilt das auch anders herum; da spielt dann aber die Frage nach Schöpfungshöhe hinein, die ich hier nicht erörtern möchte.

Es gibt – gerade in dieser Debatte – aber auch zwei andere Parteien: Ich nenne sie hier die Bewahrer und die Änderer. Deren Abgrenzung ist fließender und insbesondere sind diese Parteien nicht deckungsgleich mit den Schaffenden und den Nutzenden. Diese Deckungsgleichheit wird aber immer wieder behauptet. Die Aufrufe Wir sind die Urheber und Wir sind die Bürger sind nicht korrekt. Bei weitem nicht alle Urheber und alle Bürger werden durch diesen Aufruf vertreten.

Worum es wirklich geht?

Natürlich ums Geld, und das ist auch legitim. Viele Kreative, viele Unterstützer wollen leben. Einige vielleicht arten da vielleicht aus (Stars, Medienkonzerne, Staranwälte) aber ein großer Teil dieser Menschen braucht das Geld zum Leben und nicht nur überleben. Und dazu zählen neben den eigentlichen Schaffenden der Werke eben auch Korrektoren, Regisseure, Lektoren, Editoren, Studiotechniker, Kameraleute, Setzer, Übersetzer, Vermarkter, Manager, Juristen, Personaler und und und.

Und es geht ja nicht nur um das Leben dieser vielen Menschen, sondern auch ganzer Organisationen: Verlage, Studios, Werbeagenturen, Sender und Läden und auch Verwertungsgesellschaften. Jede Änderung am bestehenden System stellt diese Organisationen oder einige von ihnen in Frage; und damit auch die Arbeitsplätze in diesen Organisationen.

Nun ist das nichts grundsätzlich Schlechtes, bestehende Strukturen in Frage zu stellen; viele Erfindungen und Bewegungen stellten bisherige Strukturen in Frage. Aber wer das Urheberrecht in Frage stellt oder auch nur reformieren will, der sollte das im Hinterkopf haben. Und auch wer dieses Recht einfach nur ignoriert (zum Beispiel beim entsprechenden Einsatz von Tauschbörsen), stellt es damit auch in Frage.

Aber es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Ideale – auf beiden Seiten. Und da bekommt die Debatte einen Spin, der dazu führt, dass viele Menschen aneinander vorbei reden und sich nicht verstehen. Um dies zu trennen, kümmere ich mich um die Ideale im nächsten Beitrag.

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Über gordians

Wintermud ist eine Verballhornung aus meinem Stadtteil Winterhude und "Wintermute" von Neuromancer. Ein tiefer Sinn liegt nicht darin.
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