Urheberright

Wie auch viele andere Menschen beschäftige ich mich schon seit längerem mit Aspekten von Urheber- und Nutzungsrechten: als Radiohörer und -mitschneider in den 80ern, als Artikelschreiber in den 90ern, als Downloader 2001, als Nutzer und Beitragender von Wikipedia und anderen Creative-Commons-Werken so ab 2002. Aber auch als befreundet oder bekannt mit einigen Musikern, Autoren, Gestaltern, Übersetzern und Lektoren – also Menschen, die für Geld und/oder Spaß im kreativen Bereich tätig sind – beschäftige ich mich mit dem Urheberrecht

Das ist weder originell – gerade im Moment – noch weiß ich eine Lösung für aktuelle Probleme. Ich möchte vielmehr mir die damit verbundenen Begriffe, Sichtweisen und Probleme klar machen. Das geht nicht nur in einem einzelnen Beitrag, sondern nur Stück für Stück. Heute versuche ich, die ersten damit verbundenen Begrifflichkeiten zu durchdringen.

Statt mich gleich mit dem Urheberrecht zu befassen (und mich da doch nur an die Wikipedia zu halten), will ich mir erst mal klarmachen, wer oder was ein Urheber denn überhaupt ist. Ich sehe jeden, der eine zumindest in Teilen eigene Idee in die Öffentlichkeit bringt, als Urheber an. Das kann etwas ganz Neues sein oder auch in Teilen Neues; das kann eine neuartige Verknüpfung von bekannten Dingen sein; das kann sogar etwas sein, dass es schon gibt, aber dem Urheber nicht bekannt ist. Der letzte Punkt macht schon deutlich, dass es der Akt des Schaffens alleine noch nicht das ausmacht, was alle so umtreibt. Schaffen nehme ich mal als das, was der Urheber tut, wenn er Urheber ist.

Um als Urheber gewisse Rechte zu erlangen, muss man also der erste sein, der eine Sache schafft. Soweit ich es gerade überblicke, ist das bei rein materiellen Dingen eigentlich immer der Fall – also beispielsweise bei einem gemalten Bild oder einer gehauenen Statue. Sobald Schablonen, Vorlagen oder Anleitungen mit im Spiel sind, könnte ich diese auch von jemand anders haben: zum Beispiel Metallguss oder Druck. Wenn es ganz abstrakt ist – beispielsweise ein Musikstück, ein Text, ein Computerprogramm oder ein Patent (wie ich es verstehe) – muss man als Urheber irgendwo auf sich aufmerksam machen, um als erster erkannt zu werden.

Das ist der erste Part, der in dieser Zeit viel Wirbel erzeugt: Wer hat ein Ding geschaffen? Da gibt es Patentstreitigkeiten, Code-Klau und Plagiatsvorwürfe. Soweit ich weiß, lässt sich meist klären, wer der Urheber ist; teilweise ist der Beweis schwierig, wenn fremdes Schaffen in ein neues Werk integriert ist. Wenn eine Analyse aber erst mal durchgeführt wird, lässt sich ausmachen, ob dies geschehen ist. Die Konsequenzen sind unterschiedlich und abhängig vom Umfeld: Herr zu Guttenberg trat zurück, Frau Hegemann … ja weiß ich gar nicht genau: hat sie von dem Wirbel eher profitiert? Samsung musste ein Produkt vom Markt nehmen, Linksys – der Hersteller von Routern – kümmert sich zukünftig um die GPL.

Es ist hier offenbar nicht die Schwere des Vorfalls entscheidend, sondern die Beteiligten selbst, das Umfeld und weitere Umstände. Dabei ist wichtig, wie sich die Betroffenen in Szene setzen. Und dann hat das Ganze schnell was von einem Volkstribunal. Anscheinend geht es bei diesen Fällen auch nicht um strafrechtlich ausreichend Relevantes, sondern es bleibt im zivilrechtlichen. Und so ist die Motivation der Betroffenen wichtig: Profit, Karriere, Guter Ruf oder Prinzipien… Diese unterschiedlichen Motivationen bedeuten auch unterschiedliche Herangehensweisen. Und dies stellt sich dann nach außen so dar, dass es nicht wichtig ist, um was es geht, sondern darum, wer wie viel Geld und Einfluss hat. Und damit tritt der schöpferische Wert eines Werks schon im Vornherein in den Hintergrund und wird durch die Rahmenbedingungen geprägt.

Und nicht nur bei den genannten Streitereien, auch bei Dingen, deren Urheber zweifelsfrei bekannt ist, entscheidet bei Weitem nicht die Idee alleine über den Erfolg, sondern viele Rahmenbedingungen: Sei es der Urheber selbst, die Umsetzung, der passende Moment, das Marketing oder sonst was. Die Idee wird also als entscheidender Aspekt „verkauft“, aber in Wahrheit spielen die Rahmenbedingungen so weit rein, dass die eigentliche Idee sogar in den Hintergrund tritt – und damit wird auch der Respekt des Nutzers von diesen Rahmenbedingungen abhängig.

Diesen unterschiedlichen Respekt nehme ich auch bei mir wahr und ich sehe darin einen Teil des Problems in unserem Umgang mit Werken. Ich befürchte, dieses Problem spielt auch in anderen Zusammenhängen eine Rolle. Dazu ein anderes Mal mehr…

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Über gordians

Wintermud ist eine Verballhornung aus meinem Stadtteil Winterhude und "Wintermute" von Neuromancer. Ein tiefer Sinn liegt nicht darin.
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Eine Antwort zu Urheberright

  1. gordiank schreibt:

    Tobias Radloff ist selber Autor und natürlich auch Nutzer und setzt sich kritisch mit der Debatte auseinander: http://tobias-radloff.de/blog/?p=325

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