Einzelhändler und ihre Maschen

In der Wirtschaftswoche vom 18.02.2012 gab es einen Artikel „Die Media-Markt-Masche“. Darin wird das Unternehmen Media-Markt dafür kritisiert, dass es lukrative Werbe- und Verkaufsflächen in den Märkten verkauft: indem Wandflächen für Werbung zur Verfügung gestellt werden, Produkte in Regalen besonders präsentiert werden oder auch Stellflächen exklusiv für bestimmte Artikel bereitgestellt werden. Es geht so weit, dass es Shop-in-Shop-Bereiche gibt.

Ich weiß nicht, ob oder ab wann es ein rechtliches Problem ist; aber die großen Einzelhandelsketten, die durch ihre Größe eine eigene Marktmacht besitzen, gehen vermutlich alle so vor. Explizit erfahren habe ich es von Buchhändlern, Supermärkten und eben jetzt von Elektromärkten. (Positive Ausnahmen sind natürlich möglich.) Die Wirtschaftswoche hat Media-Markt sicher auch deshalb als Beispiel gewählt, weil es hier zusätzlich Bestechungsvorwürfe gab.

In diesem Zusammenhang ist es mir als Kunden egal, ob ein einzelner Mitarbeiter bestochen wird oder das Unternehmen zusätzlich Geld einfordert; ob das Geld an ein Unternehmen geht oder an einen einzelnen. Wenn ein Unternehmen so tickt, dass es für eine bessere Präsentation zusätzliches Geld verlangt, ist es naheliegend, dass einzelne Mitarbeiter auch was „vom Kuchen“ abbekommen wollen. Diese Zusatzkosten gehen so oder so in den Endpreis irgendwie ein.

Aber wo fängt es an? Schon die Auswahl des Sortiments ist ja unter diese Betrachtung kritisch, denn kein Laden bietet vermutlich sämtliche Produkte am Markt an. Wenn „Tante Emma“ in ihrem Laden Hupfi-Kugeln auffällig platziert und das Konkurrenzprodukt mehr versteckt, weil der Vertreter von Hupfi so elegant und freundlich ist – ist das dann schon eine Form von Vorteilsnahme durch Tante Emma? Vermutlich würden die wenigsten das so sehen. Aber eigentlich kaufe ich dann Hupfi-Kugeln auch deshalb, weil sich Tante Emma glücklicher fühlt – nicht unbedingt, weil es das bessere Produkt ist oder den geringeren Preis hat. Alles andere ist nur eine graduelle Steigerung.

Mein Fazit beim kritischen Gang durch die Einzelhandelsfilialen bleibt: Ich kann traue ihnen nicht! Insbesondere nicht den besonders auffällig platzierten Produkten: Sei es das neue Buch von Bla, die neuen Tiefkühl-Produkte von Blub oder der Handy-Supertarif von Blä. Und auch online sind die mir empfohlenen Produkte möglicherweise zweifelhaft. Ich lese: „Das interessiert Kunden aktuell“, aber vielleicht fehlt noch der Zusatz: „…und außerdem hat uns der Hersteller für diese exklusive Präsentation einen Batzen Kohle gegeben.“ Wer weiß – niemand würde es mir sagen…

Die Auswahl und Platzierung ist einfach nicht durch niedrige Preise oder empfehlenswerte Produkte geprägt, sondern durch für mich nicht erkennbare Geldflüsse. Und egal, ob ich mehr zahle oder die Qualität geringer ist: Ich als Kunde muss diese Geldflüsse zum Schluss finanzieren. Nicht schön!

Ich habe keine Lösung für dieses Problem. In Zeiten, in denen so mancher eine möglichst große Transparenz fordert, würde es mich schon interessieren, welche Marge pro Produkt beim Händler bleibt – inklusive all der Zusatzeinnahmen durch Werbung und Präsentation. Ich befürchte, dass sich hier in nächster Zeit nicht viel ändern wird.

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Über gordians

Wintermud ist eine Verballhornung aus meinem Stadtteil Winterhude und "Wintermute" von Neuromancer. Ein tiefer Sinn liegt nicht darin.
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