Chronicle in der Sneak

Ich war nach über 16 Jahren das erste Mal wieder in der Sneak Preview. Damals hatte ich zuletzt 12 Monkeys gesehen und mir war klar, dass dieser Film schwerlich gesteigert werden konnte. Aber ich gehe auch sonst gerne ins Kino und es geht ja nicht ums Höher, Schneller, Besser. Die Sneak Preview ist und war immer ein Event für sich. Ein Kreis von Kolleginnen und Kollegen geht dort allwöchentlich hin und ich werde mich einmal im Monat nun anschließen.

Seit diesen 16 Jahren hat sich viel getan: Die Sneak ist nicht nur vom City am Steindamm ins Streits an den Jungfernstieg umgezogen. Es haben sich auch mittlerweile viele Rituale entwickelt. Wäre ich nicht schon mal dabei gewesen, hätte man mich als „Sneak Virgin“ gemeldet und aufgerufen. Die ganze Action vor dem Film machte Spaß. Dass die Trailer Show den Film andeuten sollte, erschloss sich mir nicht wirklich. Zum Glück stand ich damit nicht alleine. Ich hatte allerdings große Sorge, dass der Film Battleship kommt: der Film zum Spiel Schiffe versenken mit Rhiana und anderen, äh, anderen Schauspielern. (Okay, Liam Neeson ist auch dabei.)

Doch ich hatte Glück, denn es lief Chronicle: Ein Coming-of-Age-Film kombiniert mit Superhelden. Da dieser Film nun morgen in Deutschland anläuft, gibt es hier auch eine Kritik. Hier dann doch mal eine

Spoilerwarnung

Die Rollenverteilung ist halbwegs klassisch: Ein Good Guy Matt, ein Bad Guy Andrew und dann noch ein Entdecker oder Vermittler Steve. Prima finde ich, dass Andrew der Protagonist ist. Allerdings ist er nicht der Sympathieträger; Matt aber auch nicht.

Technisch macht der Film Spaß, da alles aus Mitschnitten von irgendwelchen Kameras gezeigt wird. Der Film startet denn auch damit, dass der Loser Andrew mit einer Kamera anfängt, sein Leben zu filmen. Im weiteren Verlauf sieht man die Handlung auch mal aus der Perspektive einer Filmbloggerin, von Überwachungskameras und ähnliches. Das unterstreicht denn auch den Titel des Films.

Der Film erzählt nun die Entdeckung und die Entwicklung der Superkräfte und der neuen Möglichkeiten in diesem Home-Video-Stil. Das Ganze wirkt alles recht natürlich und das macht Spaß. Der Hintergrund und die schleichende Entwicklung von Andrew vom Loser zum Bad Guy ist super: Seine Mutter schwer krebskrank, sein Vater Alkoholiker mit cholerischen Anfällen. Er wird in der Schule gemobbt und mit den Mädchen klappt das auch mal so gar nicht. Als er merkt, dass seine neuen Kräfte ihm positive Aufmerksamkeit, ja sogar Bewunderung einbringen, wird er immer abgehobener und sieht sich als etwas besseres. (So hätte man das mit Anakin Skywalker zeigen müssen, dann wäre aus den Star Wars Prequels vielleicht was geworden.) Was ich auch toll finde: Es bleibt vieles unerklärt – insbesondere der Auslöser der Superkräfte findet keine Erklärung. Es ist eben alles nur ein Mitschnitt. (Wenn es doch erklärt wurde, habe ich es in der englischen Fassung nicht mitbekommen und freue mich als einziger.)

Was nicht so toll ist: Matt nervt ziemlich schnell, er zaubert verblüffend schnell Regeln aus dem Hut, wie man sich denn bitteschön mit Superkräften zu verhalten hätte. Die Rolle ist gut angelegt, aber das geht alles zu glatt. Vielleicht bin ich solchen Menschen auch noch nicht begegnet. Dass er als Guter zum Schluss nicht richtig überzeugt, finde ich aber wiederum interessant. Steves Rolle ist leider zu sehr auf seine Funktionen reduziert: das Entdecken und Ausprobieren und irgendwie als Puffer zwischen den anderen beiden. Er wird in der Mitte des Films etwas hastig verheizt für den Endkampf der anderen beiden. So wird zwar schnell gezeigt, dass Blitze immer noch heftiger als Superkräfte sind, aber das ist mir etwas zu knapp.

Am Anfang wirkt es noch etwas aufgesetzt, dass Schopenhauer erwähnt wird. Da dachte ich mir doch schon gleich, dass auf den noch verwiesen wird. Zum Schluss gab Andrew dann auch ein bisschen Übermenschen-Blabla von sich. Da hätte ich mir als Holzhammer-Verweis doch gleich Nietzsche gewünscht.

Aber alles in allem: Mehr als gutes Popkornkino!
Ich gebe diesem Film bei Movielens 3,5 von 5 Punkten. (Ab 3 Punkte ist ein Film sehenswert.)

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Über gordians

Wintermud ist eine Verballhornung aus meinem Stadtteil Winterhude und "Wintermute" von Neuromancer. Ein tiefer Sinn liegt nicht darin.
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Eine Antwort zu Chronicle in der Sneak

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